Wieder ist ein
Jahr vergangen und so stand die nächste Herausforderung vor der Tür. Die
diesjährige Tour führte uns in die Dolomiten. Diese waren immer schon ein Traum
von mir, jedoch wollte ich es nicht übertreiben und so waren eben die Touren in
den Alpen der Jahre davor als Vorbereitung zu sehen.
Die Strecke
wurde von meinem Partner von vor zwei Jahren, Jochen und mir festgelegt. Zuerst
war von mir auch eine „Runde“ in den Dolomiten vorgeschlagen worden, jedoch war
dies mit dem Buch nicht wirklich machbar. Das Roadbook wird nämlich nur von Nord
nach Süd ausgegeben und so hätten wir für die Hälfte der Runde händisch ein
neues Roadbook erzeugen müssen. Der Aufwand war zu groß und so entschlossen wir
uns zur Strecke Sterzing – Rovereto.
Rovereto nur aus
dem Grund, weil wir für eine Nacht am Gardasee (und nähere Umgebung) kein
Quartier bekamen. Das Schöne an der ganzen Sache war dann auch, dass wir in
Rovereto ein Auto zur Verfügung hatten.
Dieses Jahr
waren wir also zu dritt und gleich vorweg, es lief ausgezeichnet. Obwohl sich
der Jochen und der Geri nicht wirklich kannten, verstanden sie sich auf der
Tour ausgezeichnet.
Hier nun die
ausgerechneten Daten der geplanten Strecke und das Höhenprofil:

So sehen nach
ausgewählter Strecke die Tourdaten im Transalpprogramm aus. Nun hat man noch
die Möglichkeit mittels der Software sich dementsprechende Tagesetappen (mit
Höhenmeter und Kilometerberechnung) zu planen. Die gesamte Planung hat dann 7
Tage ergeben im Durchschnitt mit 55km und ca.1600Hm.
Das Höhenprofil:





1.Etappe
Sterzing – Moos (St. Lorenzen)
Die erste Etappe
war schon vom Profil und auch von der Auswahl her so angelegt, um den beiden,
Geri und Jochen die Möglichkeit zu geben sich ein wenig zu beschnuppern. Dies
wurde natürlich auch schon am Vortag gemacht bei einem gemeinsamen Abendessen,
aber der Radweg zu Beginn der Tour hat dazu noch besser beigetragen.
Dieses Jahr
hatte ich aber gar keine Bedenken, dass sich die beiden nicht verstünden. Geri
kenne ich schon aus meiner Kinderzeit und Jochen nun auch schon über 13 Jahre.
So nun geht’s
aber los. Start in Sterzing und gleich der erste Fehler. Laut Roadbook mussten
wir durch die "Altstadt" und dann links, leider war die andere Seite
der Altstadt gemeint. Macht nichts, zurück und neuer Start. Die ersten 25km
waren richtig gut zum Einrollen - teils Radweg teils Waldweg. Ab Mühlbach
ging's dann aber richtig los. Fast 1000Hm in einem Stück bergauf. Zuerst bei
30°C eine Asphaltstraße hoch, danach durch den Bannwald (Schotter immer leicht
ansteigend bis zum höchsten Punkt dieses Tages - 1687Hm). Danach rasante
Abfahrt bis zu einem Berggasthof, wo wir Mittag machten. Kleine Häppchen und
Getränke dann ging's weiter bis Moos. Quartier haben wir im Hotel Martiner-Hof
(in St. Lorenzen) bezogen (Swimmingpool inklusive). Toller Start!!!!
Etappendaten:
63km und ca.1485Hm
2. Etappe
Moos – Pederü Hütte
Heute sollte die
erste Touränderung durchgeführt werden. Aufgrund der großen Auslastung am Fanes
Haus mussten wir auf der Pederü - Hütte Quartier beziehen. Echt lustig drei
Männer mit einer Italienerin.
Nun aber zum
Tag. Start um 8 Uhr mit einer Schotterauffahrt rauf zum Kronplatz (ca.1200Hm in
einem Stück). Oben angekommen haben wir den WP nicht gefunden und herumgesucht.
Durchs Gestrüpp das Rad getragen und den nächsten WP gesucht um wieder auf die
richtige Strecke zu kommen. Die Suche hat sich gelohnt, denn danach folgte der
erste super Trail ca. 5km lang (Film und Bilder). Auf Schotter und Asphalt
weiter runter bis Enneberg und St. Vigil. Die Auffahrt zur Pederü - Hütte
erfolgte auf Asphalt bei leichtem Anstieg. Kaum oben angekommen begann es zu
regnen. Schön wenn man sein Ziel erreicht bevor es zu regnen beginnt. Das
Zimmer war einfach, mit Bad und Dusche am Gang. Warmwasser war vorhanden. Für
eine Schutzhütte waren die Wirtsleute für meinen Geschmack ein wenig zu
unfreundlich. Aussagen wie „Wenn sie jetzt noch ein Brot möchten gibt’s zum
Frühstück weniger“ gehören sicher nicht auf eine Schutzhütte. Na gut, auch
diese Nacht haben wir überstanden.
Nach dem Essen
haben wir dann noch eine Weile Mini Boules am Parkplatz gespielt. Habe ich im Rucksack gehabt -
Geburtstagsgeschenk von Jochen und man hat ja sonst nicht so viel mit :-).
Etappendaten:
46,6km und ca. 1880Hm




3.Etappe Pederü Hütte – Rifugio Averau
Zum Start
mussten wir heute die nicht gefahrenen Höhenmeter von gestern nachholen. Gott
sei Dank erst heute. Gestern wäre dies die Hölle geworden, da es ja nach
unserer Ankunft auf der Pederü - Hütte zu regnen begann. Auffahrt auf Schotter
bei durchschnittlich 12%, alles gefahren jedoch mit Pausen. Das Wetter war bei
der Auffahrt auch nicht besonders (bedeckt und nicht viel zu sehen). Jetzt sind
wir schon in den Dolomiten und haben noch keinen Berg gesehen. Oben auf der
Fanes - Hütte jedoch sollte es so weit sein. Die Wolkendecke riss auf und die
Berge leuchteten uns ein Stelldichein. Am Limojoch angekommen wurden einmal die
ersten Fotos gemacht. Nach einer kurzen Pause dann die Abfahrt. Echt tolle 5km,
zum Teil mussten wir die Räder tragen und schieben, jedoch mit einem
Wermutstropfen. Kurz vor Ende der Abfahrt ließ bei Gerald laut seinen Aussagen
die Konzentration nach und ein Sturz war die Folge. Die linke Hand wurde dabei
in Mitleidenschaft gezogen. Sollte ihn dann doch die ganze Tour beeinflussen
und dementsprechend war dann die Weiterfahrt. Gerald hatte ziemliche Schmerzen
bei der nächsten Auffahrt zum Passo Valparola (teils Asphalt, teils Schotter).
Damit wir an einem Tag gleich alles haben, wurde es nach dem Sonnenschein, dem
Unfall nun auch noch schlecht. Regen sollte uns begleiten bei der letzten
Auffahrt zu unserem nächsten und zugleich auch höchsten Punkt der Tour - dem
Rifugio Averau. Fast 2 Stunden Dauerregen und Wind gingen an die Substanz.
Vorbei an den mächtigen Felstürmen 5 Torri, quälten wir uns zum Schluss nur
noch das Rad schiebend rauf zum Rifugio Averau. Das Rifugio jedoch ließ alles
vergessen. Super Wirt, super Essen und gutes Zimmer. Warmwasser und Heizung
inklusive!!! Gerald versorgte mal seine Wunde und dann wurde auch noch über eventuelle
Alternativen nachgedacht (Spital am nächsten Tag). Mal schauen was der nächste
Tag bringt.
Etappendaten:
40,3km und ca. 2040Hm


4. Etappe
Rifugio Averau – Falcade
Nach dem
gestrigen Regenaufstieg wurden wir heute mit traumhaftem Wetter belohnt. Schon
in der Früh strahlend blau mit Sicht auf alle umliegenden Berge (inkl.
Marmolada!!). Zu Beginn gleich ein Trail auf einem Wanderweg quer unter einer
Wand entlang. Diese Abfahrt hat aber dann schon viel Zeit und einiges an Kraft
gekostet. Zuerst ging’s dann auf Asphalt weiter und danach eine schwierige
Schotterauffahrt bis zum Rifugio Fertazza. Mittagspause und dann teils auf der
Schipiste rauf zum Gipfel Fertazza (Bild mit Metallkreuz) geschoben. Von dort
an begann die im Buch so toll beschriebene Abfahrt nach Alleghe (ca.6km und
1000Hm) nur Trail’s und Pfade. Zu Beginn nicht fahrbar, danach auch ziemlich
schwierig. Geri's Hand hat gut mitgespielt und so wurde diese Abfahrt auch zum
Erlebnis. Sie hat aber extrem lange gedauert und so war es schon ein wenig spät
als wir in Alleghe ankamen. Zum Glück blieb das Wetter schön. Kurze Pause und
dann ging's weiter. Zuerst auf Asphalt und danach auf Schotter. In Forcallo San
Tomaso verlief die Strecke im Wald und da haben wir die falsche Abzweigung
erwischt. Dadurch wurde die "Auffahrt" zum "Aufgang". Oben
trafen wir wieder auf den nächsten WP und das bei genau gleicher
Kilometerleistung. Echt lustig. Nach ca.9,5 Stunden dann Ankunft in Falcade.
Die Zimmersuche erwies sich als etwas schwierig (Ferragosto in Italien) und so
mussten wir nehmen was wir angeboten bekamen. Wurde dann zum teuersten Quartier
der Tour (aber ohne großen Luxus, 43€ mit Frühstück).
Etappendaten: 48km und ca. 1610Hm





5. Etappe
Falcade – Albergo Al Pin (in Caoria)
Der beste Tag
bis jetzt. Gestartet in Falcade und zuerst auf Asphalt rauf auf den Passo
Valles (2032Hm). Jochen brauchte eine Zeit bis er warm wurde. Kurze
Asphaltabfahrt und danach durchs Val Venegia Tal eine Traum Schotterauffahrt
(Bilder!!!). Serpentinen und tolle Aussicht. Wetter war den ganzen Tag bewölkt,
jedoch kein Regen. Oben am Berg Baita Segantini wurde Mittag gemacht (mit
Polenta und Gulasch), nachher Abfahrt zuerst auf Schotter danach auf Asphalt
bis San Martino di Castrozza (Palazzo Foto). Das Höhenprofil zeigte uns nun
noch eine Schotterauffahrt um an den kritischsten Punkt der Tour zu kommen. Von
der Malga Tognola sollte laut Roadbook ein 3,2km langes Trage und Schiebestück
abwärts folgen!!!! In Wirklichkeit jedoch wurde es zur schönsten und geilsten
Abfahrt unserer Tour. Wir fuhren ca. 90% des Trail's über Wurzeln, Steine,
kleine Bäche usw. Sogar Geri hat auf seine verletzte Hand vergessen und ist vor
uns dahingepresst, dass wir nur so schauten. Gott sei Dank haben wir dieses
Stück nicht ausgelassen. Das nächste Quartier (Albergo Al Pin)
war dann wieder ein Traum (Halbpension mit Rad- und Kleidungswäsche!!!) und
abendlichem Boccia- Spiel auf der Hausbahn!!! Besser kann ein Tag nicht laufen,
mal schauen was morgen kommt.
Etappendaten:
58,8km und ca. 2032Hm








6. Etappe Albergo Alpini - Calceranica Al Lago
Der heutige Tag sollte einer der anstrengensten
werden aber auch der, der Änderung. Von den Kilometern her war dieser Tag von
Haus aus der längste und hinzu kam auch noch, dass wir vom Vortag noch
Höhenmeter bis zum geplanten Ziel, dem Rifugio Refavaie, noch zu fahren hatten.
Zuerst also die Asphaltstrasse rauf zum Rifugio und danach weiter auf Schotter
bis zum Passo 5 Croci. Klingt einfach war es aber nicht. Davor lagen nämlich
1200Hm in einem Stück. Meine Auffahrt wurde zur Qual. Eigentlich sollte der
ganze Tag nicht meiner werden, nur wusste ich dies zu diesem Zeitpunkt noch
nicht. Ich brauchte für die Auffahrt rund 3,5 Stunden und die anderen zwei
mussten ca. 30 min. auf mich oben warten. Zu meiner Entschuldigung muss ich
jedoch hinzufügen, dass ich mir schon am Etappenstart ziemliche Gedanken
darüber machte wie wir unser heutiges Quartier (Wunschquartier leider wieder
voll) noch finden werden. Wir haben nämlich schon gemerkt, dass um diese
Jahreszeit die Italiener ziemlich stark vertreten sind. Dazu kommt noch, dass
unser nächstes Ziel der Kaiserjägerweg als Ausflugsziel ziemlich gefragt war.
Nun gut als auch ich nun oben war, waren die beiden schon halb erfroren 17°C.
Die Stimmung war nicht die Beste. Die Abfahrt selbst war dann auch nicht allzu
aufregend außer, dass sie extrem lang war. Höhenunterschied 1600Hm, Temperaturunterschied
20°C. Unten hatten wir nämlich 37°C. Ach ja zwischen drinnen haben wir Mittag
gemacht und der Jochen und der Geri haben gleich einen ganzen Ochsen zu Essen
bestellt. Ich habe mich mit Kaninchen begnügt. Sollte sich noch rächen das
Essen!!!! Meine Stimmung wurde nicht besser und als wir nun so vor dem letzten
Anstieg für heute standen (ca. 1000Hm) stellte sich für mich nicht mehr die
Frage wie komm ich da rauf sondern ohne Zimmer brauchen wir da gar nicht rauf.
Nach einigem hin und her wurde dann folgendes entschieden: Wir suchen uns ein
Zimmer in der Nähe und fahren morgen auf direktem Weg (Bundesstrasse) nach
Rovereto. Die letzte Etappe wäre sonst zur Mörderetappe geworden (2500Hm und
ca. 50km!!!). So wurde es dann auch gemacht und der Abend wurde noch zu einem
kleinen Erlebnis. Wir bezogen ein Zimmer in Calceranica al Lago direkt am See.
Gleich noch ein Bad genommen und danach ausgiebig gespeist.
Etappendaten: 75km und ca. 1585Hm

7. Etappe Garni Bellavista –
Rovereto
Heute also der letzte Tag, eine sogenannte
Flachetappe nach Rovereto. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 21km/h
„flogen“ wir regelrecht nach Rovereto. Die Belohnung war ein halber Tag am
Gardasee. War dann ein schöner Ausklang einer wunderbaren Tour.
Der Geri hat uns dann noch mit einem selbstgemachten
Leibchen überrascht -
"Alpencross
2004"